Chronik Autohaus Streese

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Liebe Leserinnen und Leser,

genau ein halbes Jahrhundert ist vergangen, seit mein Vater – Horst Streese – mit seinem Meisterabschluss den Grundstein für eine eigene Kfz-Firma legte. 1957 war’s - was ist seither nicht alles geschehen? Aus der einstigen Karosseriebau - Werkstatt in der Hermann-Lutz-Straße ist ein hochmodernes Autohaus im Gewerbegebiet Süd geworden.

Fünf Jahrzehnte liegen nun hinter uns – immer stand im Mittelpunkt: bestmöglicher Service für unsere Kunden. Dieses Jubiläum ist uns Anlass, gemeinsam mit Ihnen zu feiern. Dazu wollen wir Rückschau halten, und uns daran erinnern, wie der Weg aussah, den wir zurücklegten, ehe wir – weit über die Stadtgrenzen von Pritzwalk hinaus – zum angesehenen Vertragspartner für Audi und VW wurden.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, allen, die uns auf dem Weg zum erfolgreichen Unternehmen begleitet haben, sehr herzlich zu danken. Dieser Dank gilt unseren Kunden für ihr Vertrauen und ihre Treue, unseren Geschäftspartnern für ihre Zuverlässigkeit, und nicht zuletzt unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihr Engagement zum Wohle unserer Kunden.

Olaf Waterstradt, der Autor dieser Broschüre, hat sich sehr intensiv mit unserer Firmengeschichte beschäftigt. In den von ihm zusammengetragenen Impressionen schlagen wir eine Brücke zwischen 1957 und 2007. Wir begleiten Sie durch fünf Jahrzehnte, in denen der Name Streese im Kfz-Gewerbe seinen festen Platz gefunden hat. Sie lesen vom schweren Anfang, von immer neuen Hürden und auch glücklichen Augenblicken unserer Firmengeschichte. Auch viele Bilder künden aus jener Zeit.

Ich hoffe, dass es gelingt, auch in Ihnen die eine oder andere Erinnerung wach zu rufen und würde mich freuen, wenn Sie, meine werte Kundschaft, unserem Autohaus die Treue halten. Damit wir auch in weiteren Rückblicken auf unsere Firmengeschichte mit Stolz auf unseren Service und zufriedene Kunden blicken können. Wir werden das Unsrige dazu tun.

Ich wünsche Ihnen gute Unterhaltung bei der vorliegenden Lektüre und weiterhin gute Zusammenarbeit.

Mit freundlichen Grüßen

Frank Streese
Inhaber Autohaus Streese



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Die frühen Jahre

Als der Grundstein dafür gelegt wurde, dass dieser Rückblick einmal erscheinen kann, da gab’s mich noch gar nicht. Mein Vater – Horst Streese – war’s, der die Basis dafür schuf.

Mein Vater hat seine ersten Kindheitsjahre in Berlin Schöneberg verbracht, wo er am 28.6.1933 geboren wurde. Sein Vater wurde während des Krieges als vermisst gemeldet und als die Angriffe auf Berlin immer mehr zunahmen, floh seine Mutter mit ihm zu Verwandten nach Pritzwalk. Sie wohnten in der Lindenstraße und erlebten die Explosionskatastrophe am Bahnhof aus nächster Nähe. Ihre Berliner Wohnung fiel den Bomben zum Opfer, sie lag in Schutt und Asche.

Vater war etwa 10, 11 Jahre alt, als er nach Pritzwalk kam. Hier besuchte er dann auch die Schule. Fritze Runge und der spätere Malermeister Gebhard Otte waren damals Klassenkameraden von ihm. Im Jahre 1948 beendete er seine Schulzeit, anschließend begann er fünfzehnjährig bei seinem Onkel – Alfred Rump – eine Lehre zum Stellmacher. Die Werkstatt befand sich in der Bergstraße, ganz oben, zwischen Dachdecker Hildebrandt und ehemaliger BHG.

Damals gab es für die Stellmacher noch mehr als genug zu tun. Viele Autos besaßen Holzkarosserien, und diese waren durch die zurückliegenden Jahre arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Obendrein wurde manches der ohnehin wenigen Fahrzeuge beschlagnahmt und in die Sowjetunion verbracht.

Daher bestand in der Nachkriegszeit ein immenser Reparaturbedarf. Die Werkstätten waren während des Krieges nicht voll besetzt, da die wehrfähigen Männer die Uniform tragen mussten. Was während der Kriegsjahre nicht repariert werden konnte, musste nun nachgeholt werden. Oftmals war es notwendig, ganze Karossen neu zu fertigen.

Und das nicht nur für PKW. Ich erinnere mich, wie Vater mir einst erzählte, dass sie die Fahrerhäuser von zwei „Opel Blitz“ für die Brauerei vollkommen neu aufgebaut haben. Einen davon fuhr Werner Genenz.

Drei Jahre lernte mein Vater das Einmaleins des Stellmachers. Anschließend zog es ihn in die Fremde und er ging nach Remscheid – ein Freund war schon vor ihm dorthin gegangen.

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Die frühen Jahre

Vater arbeitete in der Firma Bachmann, später erzählte er mir davon, dass er schon kurze Zeit nach der Beendigung seiner Lehre in Pritzwalk sämtliche Holzarbeiten an PKW in Remscheid selbstständig ausführte.

Aber es hielt ihn nicht lange dort, 1955 zog er wieder nach Pritzwalk zurück. Nachdem Alfred Rump noch im gleichen Jahr verstarb, übernahm zunächst Frau Rump die Führung der Stellmacherei. Später bekam Vater die Leitung übertragen. Er war aber „nur“ Geselle und hatte noch keinen Meisterabschluss. Um die Werkstatt in eigener Regie führen zu dürfen, benötigte er deshalb eine Ausnahmegenehmigung durch das städtische Gewerbeamt. Vater bekam sie ohne Probleme, denn der Bedarf an Reparaturleistungen war groß.

Mitte/Ende der Fünfziger und ebenso die sechziger Jahre müssen für meinen Vate eine ganz aufregende Lebensphase gewesen sein. Beruflich war er von Remscheid wieder zurück nach Pritzwalk gewechselt, vom jungen Gesellen zum Betreiber einer eigenen Werkstatt geworden, und dann kam 1956 die Hochzeit mit meiner Mutter Christa. Sie war das jüngste von vier Kindern des Malermeisters Erich Neumann aus Vehlow. Meine Mutter war der Rückhalt der Familie, sie hat meinem Vater durch ihr Tun in Haushalt und Kinderbetreuung, Hof und Garten immer den Rücken frei gehalten.

Im Jahr darauf wurde er zum ersten Mal Vater. Der Tochter Angelika folgte 1958 die Iris. Im dritten Anlauf hat Papa dann einen Jungen geschafft, mich, den Frank. Das war ’61, Jeanette folgte 1965, und nach zwei weiteren Jahren der Mike. Damit war unsere Familie komplett. Eine Familie, die diese Bezeichnung wirklich verdiente, denn der Zusammenhalt zwischen meinen Eltern und uns Kindern war groß.

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Die frühen Jahre

Trotz der vielen Arbeit erhielten wir Kinder viel Zuwendung durch unsere Eltern. Sehr gern erinnere ich mich zum Beispiel an das Puppenhaus, das Vater in der Vorweihnachtszeit in den frühen Sechzigern für meine Schwestern gebastelt hatte. Es war mehrere Etagen hoch, und hatte alles drin, was sie sich nur wünschen konnten. Wir kamen am Weihnachtsabend aus dem Staunen gar nicht raus. Nun wussten wir, womit unser Vater die langen Abende in der Adventszeit verbracht hatte...

Einen eigenen Betrieb durfte zu jener Zeit in der DDR nur führen, wer einen Meisterlehrgang erfolgreich absolviert hatte. Und so hat Vater, mittendrin im Aufbau der eigenen Familie die Meisterschule besucht. Der Auftrag für sein Meisterstück bestand darin, die Holzkarosserie für einen LKW zu fertigen. Tag und Nacht hat er dran gearbeitet. Auf einer riesigen Zeichenwand wurden die Einzelteile im Verhältnis 1:1 entworfen. Im nächsten Schritt entstanden dann Papp- oder Hartfasermodelle. Diese Schablonen wurden auf das zu verwendende Material übertragen und zugeschnitten. Dies alles geschah in Handarbeit.

Unter den heutigen Verhältnissen hätte eine solche Art der Fertigung keine Chance mehr auf dem Kfz-Markt. Aber es waren eben andere Zeiten und so konnte Vater mit seiner Hände Arbeit unter Beweis stellen, dass er sein Fach wirklich versteht.

Am 15. Juni 1957 absolvierte er die Meisterprüfung in Potsdam erfolgreich und durfte sich fortan „Karosseriebaumeister“ nennen. Der Titel „Meister“ war ihm eigentlich egal, wirklich von Bedeutung war für ihn, dass es ihm nun erlaubt war, eine eigene Werkstatt zu führen.

Als Vater seinen Meisterbrief in der Tasche hatte, überlegte er zunächst für kurze Zeit, ob er nicht weiter studieren und Schiffsbauingenieur werden solle. Dafür hatte er großes Interesse. Diese Idee verwarf er dann aber schnell und konzentrierte nun all seine Kräfte auf die eigene Werkstatt. Mit 8 Beschäftigten haben sie damals begonnen.

Ein paar Namen fallen mir noch ein: Da war Franz Hartwig (er wurde 98 Jahre alt), Heinz Pfeiffer, Alfons Hensel, Wilhelm Böttcher und Willi Richter. Die anderen krieg ich nicht mehr zusammen.

Man kann die Reparatur einer Karosse zum damaligen Zeitpunkt nicht mit heutigen Werkstattabläufen vergleichen. Mitte des vergangenen Jahrhunderts war neben „Geduld und Spucke“ ein hohes Maß handwerklichen Geschicks gefragt. Vom groben Ablauf her gestaltete sich der Reparaturprozess folgendermaßen: Das Fahrgestell wurde geliefert, und hier in der Werkstatt wurde der komplette Busaufbau gefertigt.

Dazu bauten sie damals zunächst ein „Holzgerippe“, dieses wurde beblecht, Elektrik installiert, innen mit farbiger Hartfaser verkleidet,

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Die frühen Jahre

lackiert, die Sitze und der Himmel kamen rein, (die Polsterung kam von Firma Lindstedt), verglast wurde von Franz Pohlmann, und zum Schluss wurde das gute Stück mit Werbung beschriftet. Dann rollte ein „wie neues Fahrzeug“ vom Hof. Es liest sich so schnell, aber all die Arbeiten dauerten ihre Zeit.

Wie gesagt, es gab genug Arbeit. Die meisten Fahrzeuge stammten ja noch aus Kriegszeiten, die einen wurden nur etwas ausgebessert, andere vollkommen umgerüstet. Militärfahrzeuge, die durch den Krieg beschädigt waren, wurden mit großem Aufwand wieder fahrtüchtig gemacht. So bauten sie z.B. auf VW-Kübelwagen hinten eine Pritsche drauf und das Fahrzeug erfüllte wieder seinen guten Zweck. Manchem der Älteren unter uns ist bestimmt auch noch der F8 mit seiner unverwechselbaren Holzkarosserie in Erinnerung. Die fanden sich in jenen Jahren nur allzu oft in der Werkstatt.

Doch nicht nur Karossen wurden zu jener Zeit in der Stellmacherei gefertigt. Auch Möbel, sogar Kuhtröge und vieles andere mehr entstanden hier. Bei meinem Vater reifte – schon als er aus Remscheid zurückkehrte – die Erkenntnis, dass die Verarbeitung von Holz im Auto auf Dauer keine Zukunft haben würde.

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Die frühen Jahre

Er sah das Metall im Kommen. Und tatsächlich reduzierte sich der Holzverbau in Neufahrzeugen immer weiter. Ab dem P 70 und dann P 50 wurde überhaupt kein Holz mehr verwendet. Metall und Kunststoff hatten gegenüber dem Holz viele Vorteile aufzuweisen.

Diese Umstellung hatte natürlich auch für den Arbeitsablauf in den Karosseriewerkstätten erhebliche Konsequenzen. Trotz der vielen Arbeit, die mein Vater mit der Werkstatt hatte, erinnere ich mich – wie meine Geschwister übrigens auch – gern an meine Kindheit zurück. Nicht nur, dass die Werkstatt schnell zu meinem zweiten Zuhause wurde. Vater nutzte die Gegebenheiten, um auch für uns Kinder was zu tun. Dabei spielte seine Vorliebe fürs Wasser natürlich eine große Rolle.

Oft wunderten Mutter und wir uns, wo Vater denn nur bleibt, wenn das Abendessen auf dem Tisch stand. Klammheimlich hatte er in der Werkstatt ein Kajütboot gefertigt, das dann mit zum Plauer See kam, wo unser „Bungalow“ stand. Dieser war ein fertiggestellter Schaustellerwagen, der nie vom Auftraggeber abgeholt wurde. Uns bot dieses Teil für viele Jahre eine günstige Gelegenheit, direkt am See schöne Wochenenden und auch Ferien zu verbringen.

Bevor meine Eltern dann Ende der 50er Jahre das Grundstück kauften, verkauften sie das Boot und auch den Wohnwagen. Fast erübrigt es sich, zu sagen, dass Vater die Möbel für unser neues Heim in der Hermann – Lutz – Straße, gemeinsam mit dem Möbeltischler Willi Richter noch in der alten Tischlerei, selbst gefertigt hat.

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In der Hermann-Lutz Straße

In den ersten Jahren befand sich Vaters Betrieb noch in der ehemals Rump’schen Werkstatt. Gewohnt haben wir damals im Lindengang. Ende der 50er war das Haus aber für unsere kräftig gewachsene Familie zu klein. So kauften meine Eltern das Grundstück in der Hermann – Lutz – Straße 22, in der damals erst im Entstehen befindlichen Siedlung. Auf diesem Grundstück stand der Rohbau für ein Wohnhaus, Hannes Wölk hatte ihn begonnen, er verstarb aber während des Baus. Das ebenfalls erst neu errichtete Stall- und Garagengebäude wurde später zur Werkstatt umgebaut.

Die verantwortlichen Entscheidungsträger der Stadt haben den neuen Standort für die Werkstatt in der Hermann-Lutz-Straße (ein ausgewiesenes Wohngebiet) problemlos zugelassen. Auch hierfür gab es ein stichhaltiges Argument: Der Fahrzeugbestand wuchs durch Neuzulassungen und die alten Autos waren, wie schon beschrieben, nicht gerade im besten Zustand. Dadurch waren natürlich auch immer höhere Reparaturkapazitäten gefragt.

Als die Werkstatt fertig gestellt war und ihren Betrieb aufnehmen konnte, ging der Standortwechsel sehr ruhig ab. Wegen der klammen Kasse gab es keine größere Feier, es lief ohne großes Aufsehen, und so war der Umzug von der Bergstraße ein fließender Prozess. 1961 hat die Werkstatt ihren Betrieb aufgenommen.

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In der Hermann-Lutz Straße

Durch die Verlegung des Standortes verbesserten sich die Arbeitsbedingungen erheblich. Die neue Werkstatt war von vornherein so konzipiert, dass genügend Platz vorhanden war, um die Maschinen sowohl für Holz- als auch für Metallarbeiten unterzubringen. Sogar H6 Busse hätten darinnen ihren Platz gefunden.

Diese Busse wurden dann aber nicht mehr repariert, weil sie durch Ikarus-Busse ersetzt worden sind. Zudem lag der Schwerpunkt nun auf der Reparatur von Pkw. Klaus Rump, der inzwischen auch den Meisterabschluss in der Tasche hatte, führte die Holzarbeiten in seiner Werkstatt aus. Alles, was an Blecharbeiten zu tun war, wurde in Vaters Werkstatt erledigt. Die Fahrzeuge trugen damals Namen wie: P70, P50, P60, F9, Wartburg 311 und 312.

So, wie mein Vater es vorausgesehen hatte, ersetzten Metall und Kunststoff die Holzkarosse. Während früher komplette Karosserien aus Holz neu aufgebaut wurden, wurden nun die Metallteile ersetzt. Natürlich bewegten wir uns nicht im luftleeren Raum, hatten unsere Partner für Fremdleistungen. Da war z.B. der Sattlermeister Hartwig Protz in Birkenfelde, der die Polsterung und das Einziehen der „Himmel“ ausführte. Auch mit dem KIB arbeitete Vater sehr eng zusammen.

Im KIB wurden die Fahrgestelle repariert, und unsere Werkstatt trug Sorge dafür, dass wieder eine ordentliche Karosse draufkam. Die Metallarbeiten erforderten natürlich den Einsatz von Fachkräften. Die ehemaligen Stellmacher Heinz Pfeiffer und Alfons Hensel stellten sich später als hervorragende Karosseriebauer heraus.

Von großer Bedeutung für das dauerhafte Bestehen des Betriebes waren die Verträge mit dem „IFA Automobilwerk Eisenach“ und dem „VEB Sachsenring – Automobilwerke Zwickau“. Diese Verträge schufen schon in den frühen 60er Jahren dieGrundlage, dass Vaters Betrieb überhaupt existieren konnte, denn der Großteil der Fahrzeuge auf den Straßen hieß nun Trabant und Wartburg. Nur als Vertragspartner durfte eine Werkstatt z.B. Ersatzteile beziehen, ohne die ein Aufrechterhalten der Betriebstätigkeit unmöglich gewesen wäre. Also ging Vater schon in den frühen 60ern eine feste Bindung mit den Autowerken in Zwickau und Eisenach ein.

Die Verträge, die immer wieder erneuert und z.T. auch verändert wurden, legten die Rechte und Pflichten als sogenannte „Vertragswerkstatt“ für die Marken „Trabant“ und „Wartburg“ fest. Eigenen Einfluss auf die Vertragsgestaltung hatte Vater übrigens überhaupt nicht, denn es waren Standardausführungen, wie sie mit hunderten anderer Werkstätten in der ganzen Republik geschlossen wurden. Interessant ist, dass sich fast alle Paragrafen beider Verträge den Pflichten meines Vaters widmeten und den Sanktionen, die ihn erwarten würden, sollten Verstöße gegen den Vertrag erfolgen.

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In der Hermann-Lutz Straße

Für jeden Verstoß gegen den Vertragsinhalt war (vielleicht zur Abschreckung) auch gleich die Höhe der Sanktionen festgelegt...

1967 wurde ich eingeschult. Die Goetheschule II war nun Vormittags für mich angesagt. Ich schöpfte mein Leistungspotenzial wohl nicht immer so aus, wie es sich die Lehrer vorstellten. Für mich waren Autos interessanter. Meine erste Lehrerin, Frau Becker sagte des öfteren zu mir: „Du wirst mal Müllkutscher!“...

Naja, zur damaligen Zeit wusste ich noch nicht, dass einige meiner Lehrer später bei mir Autos kaufen würden. Sie selbst natürlich auch nicht... So sind gerade diese Begegnungen immer wieder etwas Besonderes für mich. Auch ehemalige Schulkameraden zählen heute zu meinen Stammkunden.

Bis Ende der 60er Jahre ist Vater alle zwei Monate mit seinem Wartburg zum Ersatzteilauslieferungslager nach Magdeburg gefahren. Eigens dafür hatte er einen großen Anhänger gebaut. Es war nicht einfach, an die gefragten Teile heranzukommen, aber er kam immer voll beladen zurück. Bei mir war die Freude schon als Kind immer groß, wenn ich ihn auf diesen Reisen begleiten konnte. Anfang der 70er eröffnete in Blumenthal eine Außenstelle des Magdeburger Ersatzteillagers, was uns transportseitig viel Zeit und Kilometer ersparte.

Es fügte sich, dass Pritzwalk einen sehr rührigen Sportlehrer hatte, unseren Nachbarn Hans-Herbert Mattern. Ihm waren nicht nur Ordnung und Disziplin, Pünktlichkeit, Einsatzbereitschaft und solche Tugenden wichtig, nein er dachte selbst auch darüber nach, wie er Bildung, Erziehung und Körperertüchtigung in jenen Jahren verbessern konnte. Durch seine Bemühungen bekam die Goetheschule II damals ein Schwimmbecken. Für den Sportunterricht entwickelte Hans-Herbert Mattern ein „Multifunktionsgerät“, das später in der gesamten Republik für Aufsehen sorgte.

Sogar das Fernsehen fand den Weg nach Pritzwalk, um diese, seinerzeit revolutionäre Entwicklung zu filmen. Der Prototyp dieses Gerätes entstand in Vaters Werkstatt. Dies ist nur ein Beispiel dafür, dass der Betrieb meines Vaters weit mehr leistete, als Autos zu reparieren.

An Wochenenden legten dort auch versierte Handwerker selbst Hand an, um dieses oder jenes zu basteln. So erinnert sich der ehemalige Getränkegroßhändler Heidinger noch gut daran, wie er dort PKW-Anhänger baute. Sogar die „Weißen Mäuse“ fanden sich hin und wieder in der Werkstatt ein, um Reparaturen auszuführen.

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In der Hermann-Lutz Straße

An diese Zeit kann ich mich selbst noch gut erinnern. Vater bekam die Verträge zugeschickt, unterzeichnete sie, sandte sie an die beiden Vertragspartner und bekam dann ein Exemplar zurück. Der Abschluss kam also ohne jeglichen Schmuck zustande, der dieser Unterzeichnung ob seiner Bedeutung für Vaters Werkstatt angemessen wäre.

In den 70er Jahren war ich selbst schon längst aufs Engste mit dem Kfz-Gewerbe verbunden. Von Kindesbeinen an war die Werkstatt mein Revier. Mein Vater hat seinen Teil dazu beigetragen, indem er mich schon als Kind in die Werkstatt mitnahm.

Er bastelte mir eine kleine Werkbank mit einem kleinen Schraubstock drauf und so konnte ich mich schon in jungen Jahren selbst an allem Möglichen ausprobieren. Autos faszinierten mich schon sehr früh, und so verbrachte ich einen Großteil meiner Freizeit damit, bei der Arbeit zuzuschauen, später dann selbst mit Hand anzulegen.

Zu meinen Freunden aus der Hermann- Lutz-Straße zählten damals unter anderem René Kolodzij und Ralf Kenn. Ralf besaß einen SR 1, da montierten wir hinten einen Handwagen dran, und ich kletterte rein in die Kiste. Was hatten wir Freude. Ich weiß nicht, wie oft, aber mindestens einmal im viertel Jahr musste das Moped in die Werkstatt, um die Folgen unserer manchmal waghalsigen Touren zu beseitigen.

Natürlich bastelten wir selbst daran... Mit etwa 13 – 14 Jahren wechselte ich schon selbstständig Kotflügel und Türen beim Trabant.

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In der Hermann-Lutz Straße

Während meine Freunde mich zum Spielen abholen wollten, schraubte ich lieber an den Autos in Vaters Werkstatt rum. Das bereitete mir viel Spaß und so stand mein Berufswunsch schon früh fest. Ich hatte in der Werkstatt nicht nur während meiner Kindheit große Teile der Freizeit verbracht, sie sollte auch meine berufliche Heimat werden.

Also absolvierte ich nach der zehnten Klasse von 1976 bis 1978 meine Berufsausbildung bei Rudolf Friese, in Wusterhausen. Rudolf Friese gehörte derzeit eine Stellmacherei, in der viele verschiedene Holzarbeiten ausgeführt wurden. Sehr gefragt war selbstverständlich auch hier der Bereich PKW-Karosseriebau. Rudolf Friese hatte einst mit meinem Vater gemeinsam seinen Meisterlehrgang gemacht. Seither verloren sich beide nicht aus den Augen und weil Vater nicht wollte, dass ich bei ihm selbst meine Berufsausbildung machte, kam ich nach Wusterhausen. Hier wusste Vater mich für die Praxis in guten Händen.

Als ich die Ausbildung bei ihm begann, fragte der Meister mich, warum ich überhaupt noch ne Lehre im Karosseriebau mache. Ich konnte Schweißen und die verschiedenen Maschinen bedienen, hatte also einen Großteil dessen was ich lernen sollte bereits intus… Und dennoch gab es viel Neues für mich, Interessantes, es war ne schöne, wirklich lehrreiche Zeit damals.

Oftmals landeten in dieser Werkstatt solche Fahrzeuge, die kein anderer mehr angefasst hat. Durch den hohen Schwierigkeitsgrad der Aufgaben habe ich natürlich sehr viel gelernt. Auch Holzboote u.a. wurden zur Reparatur geliefert. Ich erinnere mich auch noch gut daran, dass wir dort aus zwei unbrauchbaren Ikarus-Bussen – einer war vorn kaputt, der andere hinten – wieder einen Fahrtüchtigen machten. Das war keine leichte Sache, aber letztlich haben wir’s hingekriegt.

So erhielt ich eine recht intensive und vielseitige praktische Berufsausbildung. Die Theorie lernte ich auf der Berufsschule in Lehnin zwischen Werder und Brandenburg. Natürlich kam es auch mal vor, dass ich keine Lust hatte, nach Wusterhausen zu fahren, selten zwar, aber es sei hier nicht verschwiegen. Ein solcher Tag fiel in den Januar 1979.

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In der Hermann-Lutz Straße

Der hohe Schnee – glaubte ich – würde mich retten. Ich konnte die etwa 40 km nicht mit dem Zug zu fahren, weil der gesamte Schienenverkehr eingestellt war. Vater aber holte den Wartburg aus der Garage, zog Schneeketten drauf und fuhr mich rüber. So wurde es nichts mit dem freien Tag...

Insgesamt gesehen hat mir die Ausbildung viel Freude bereitet, am meisten natürlich die Praxis in der Werkstatt. Die Wartezeit auf einen neuen PKW betrug damals so um die 12 – 14 Jahre, bei manchen Typen war sie noch länger. Es gab auch Menschen, die überhaupt nicht auf ein einen PKW warten mussten, aber die fuhren dann meistens keinen Trabi...

Aber jeder DDR-Bürger meldete sich, sobald er volljährig war für den Kauf eines PKW an. Und wenn er ihn dann endlich hatte, sollte er verständlicherweise auch möglichst lange halten. So war es nicht verwunderlich, dass die Lebenszeit der Fahrzeuge durch manchmal sogar mehrfachen Neuaufbau auf das Maximum verlängert wurde.

Das hohe Durchschnittsalter der Fahrzeuge hatte zwangsläufig einen erhöhten Reparaturaufwand zur Folge. Es war ein Kreislauf, der nicht zu durchbrechen war. Jedenfalls nicht, solange der Bedarf an Neufahrzeugen nicht gedeckt werden konnte. Und das hatte auf dem Kfz-Markt natürlich seine Folgen.

Erinnern wir uns: Der Gebrauchtwagenhandel war ein einträgliches Geschäft. Das führte so weit, dass ein fabrikneuer PKW, egal welchen Fabrikats, weitaus billiger war, als ein Gebrauchtwagen – das waren noch Zeiten.

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In der Hermann-Lutz Straße

1982 beging Vater sein 25jähriges Meisterjubiläum. Wie alle anderen Jubiläen der Firma wurde auch diesmal kein großer Rummel gemacht, eine kleine Feier hat es gegeben. Ein würdiger Anlass – würdig begangen. Vater war kein Freund überdimensionierter Partys.

Nun lebt der Mensch nicht nur vom Brot allein... Das Berufsleben ist nur eine Seite der Medaille, die sich Leben nennt. Zum Glücklichsein bedarf es mehr. Irgendwann, und sei es zu noch so später Stunde, schließt sich die Werkstatttür und es ist Feierabend.

Da tut es gut, wenn man die Zeit zu zweit genießen kann. Ich hatte eine schöne Kindheit und Jugend in meinem Elternhaus, der Familienzusammenhalt war mgroß. Und so fügte es die Zeit, dass auch in mir der Wunsch wuchs, eine eigene Familie mzu gründen.

Es war das Jahr 1981, mals ich meine Angelika kennen lernte. Ihr Vater ist der Schmied Heinz Stiller, der bei Willi Wüst sein Handwerk gelernt hatte und in der PGH Bau tätig war. Wir kamen muns näher, entdeckten uns füreinander. mUnd schon bald wusste ich, sie ist die Richtige für mich. Zwei Jahre waren wir zusammen, als wir uns entschieden, einem Familie zu gründen.

Unsere Trauung fand am 30.9.1983 in Pritzwalk statt. Damit war auch amtlich der Grundstein für unsere mFamilie gelegt. Zur anschließenden mFeier konnten wir in der Hainholz-Gaststätte viele Gäste begrüßen. Am 16.5.84 brachte meine Frau unseren Sohn Marc mzur Welt, Tochter Laura machte die Familie zehn Jahre später komplett, über beide wird noch zu reden sein...

Natürlich hatten wir den Wunsch, zusammenzuwohnen. Aber wo? Die Wartezeiten für die Bereitstellung von Wohnraum waren lang. Nicht so lang, wie für ein neues Auto, aber es kamen schon ein paar Jahre zusammen. So machten wir aus der Not eine Tugend und haben uns das kleine Häuschen in der Putlitzer Straße 16 um und ausgebaut.

Im Volksmund wurde es nur das „Hexenhaus“ oder „Rattenvilla“ genannt, weil es so winzig war. Aber wir hatten was Eigenes, das war, was zählte. Aller Anfang ist schwer...

Den Facharbeiterbrief in der Tasche ging ich meiner Arbeit mit viel Freude nach.

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In der Hermann-Lutz Straße

Immer wieder drängte Vater mich, doch auch meinen Meisterabschluss zu machen. Ich war nicht gerade sehr angetan von diesem Gedanken, wusste ich doch, welch immenser Zeitaufwand sich dahinter verbarg.

Jedes Wochenende würde ich unterwegs sein, fort von meiner inzwischen gegründeten Familie. Irgendwann hatte Vater mich dann doch so weit, dass ich mich für den Meisterlehrgang anmeldete. Das erste Jahr – den sogenannten A-Lehrgang – absolvierte ich in Pritzwalk.

In den Jahren 1985 und 86 war ich Freitags bis Sonntags immer in Leipzig, wo die theoretische Ausbildung stattfand. Übernachtet habe ich bei meiner Schwester Angelika.

Mein Meisterstück war die Anfertigung einer A-Säule, eingebunden in die Reparatur des Totalschadens eines PKW Trabant 601. Also eine wirklich praxisnahe Übung, denn wie gesagt, solange ein Auto zugelassen war und auch nur der kleinste Funke Hoffnung bestand, dass es wieder repariert werden könnte, solange wurde auch darin auch investiert.

Es gab ja keine Alternative – noch nicht –. Meinen Meisterbrief erhielt ich am 7. Oktober 1986, dem damaligen „Tag der Republik“. In der begleitenden Hausarbeit wurden alle einzelnen Arbeitsschritte (einschließlich der – staatlich vorgegebenen – Preisangaben) beschreiben.

Aus heutiger Sicht erscheint die Preisangabe vielleicht etwas ungewöhnlich, aber damals war es so, dass für alle Vertragswerkstätten die gleichen Preise galten. In einem genau vorgegeben Katalog war jeder Arbeitsschritt genormt und mit einem Festpreis versehen.

Hin und wieder wurde der gewohnte Werkstattalltag durch Episoden begleitet, die unvergessen bleiben werden. Es war Mitte/Ende der 80er Jahre, als sich auf dem Sommersberg ein Verkehrsunfall ereignete, in den auch der damalige Fernsehkoch Kurt Drummer verwickelt war.

Sein Weg sollte ihn eigentlich ins Studio nach Adlershof führen, um dort eine Sendung aufzuzeichnen. Er hatte das ganze Auto voll Fisch und bat uns innigst, sein Auto wieder fahrbereit zu machen, damit er den Termin nicht verpasse. In der Zwischenzeit wolle er für die Familie und das Werkstattteam eine leckere Mahlzeit zubereiten. Gesagt – getan.

Sein Wartburg mwurde repariert und der Starkoch machte sich in unserer Küche zu schaffen.

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In der Hermann-Lutz Straße

Meine Mutter schlug die Hände über dem Kopf zusammen, als sie anschließend in die Küche kam. Hier sah es inzwischen aus, wie nach einer großen Schlacht. Alles schwamm, das Unterste war zu Oberst, das blanke Chaos. Die Aufräumarbeiten überdauerten die Reparatur seines Autos um vieles...

Dafür wurden wir reichlich entschädigt, Drummer hatte ein Essen vom Feinsten gezaubert, mit Fischbuletten, gekochtem und gebratenem Fisch und allem drum und dran. Obendrein schenkte er meiner Mutter eines der von ihm geschriebenen Kochbücher. Dieses hat noch heute seinen Platz im Hause und immer wenn es uns mal in die Hände fällt, kehren die Erinnerungen wieder.

Mit einem Grund zu großer Freude ging 1988 für meinen Vater ein Traum in Erfüllung. Endlich bekamen wir die staatliche Genehmigung zum Wiederaufbau eines Barkas B 1000, den wir schon längere Zeit neu aufbauen und nutzen wollten, um die Ersatzteile aus dem Lager in Blumenthal zu holen. Wir hatten lange warten müssen, um die Aufbau-Genehmigung zu bekommen.

Aus lauter Ersatzteilen, die wir über zwei Jahre lang gesammelt hatten, bauten wir ein praktisch neues Auto. Nachdem ich 1989 das erste Mal in die damalige BRD reisen durfte, hab ich dort auf einem Schrottplatz aus einem Auto das Radio der Marke Blaupunkt gerettet und war überglücklich. Schnell hatte die Zeit uns dann jedoch eingeholt...

Der Barkas lief noch bis 1991. Vater hatte viel erreicht: Immer war ihm eine intakte Familie wichtig, und er führte seine eigene Kfz-Werkstatt, mit kompetenten Kollegen besetzt, über dreißig Jahre lang.

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In der Hermann-Lutz Straße

Wer jene Zeit miterlebt hat, weiß, wie schwer es war, sich als kleiner Privatunternehmer gegen alle Missstände zu behaupten.

Leider ergriff im Jahre 1987 eine schwere Krankheit Besitz von meinem Vater. Der anfänglichen Hoffnung auf seine Genesung wich nach und nach die Ernüchterung und die Einsicht, dass er nicht mehr geheilt werden konnte. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich immer weiter.

Im Frühjahr ’89 hat mein Bruder Mike die Republik über Ungarn verlassen und schnell im VW-Werk Wolfsburg Arbeit gefunden. Meine Schwester Jeanette gelangte wenig später über die Prager Botschaft in die BRD.

Als ich dann Mitte 1989 besuchsweise rüber fuhr, hatte Vater natürlich so seine Bedenken. Ich blieb zwei Tage länger, als es das Visum eigentlich zuließ, hatte aber keine ernsthaften Gedanken wirklich dort zu bleiben.

Ich hatte ja meine Frau Angelika und unseren gemeinsamen Sohn zuhause. An der Grenze hat bei der Wiedereinreise in die DDR niemand etwas zu meiner verspäteten Rückkehr gesagt.

Nunja, zu der Zeit, als tausende Menschen nach Möglichkeiten suchten, die DDR zu verlassen, waren die „bewaffneten Organe“ damals vielleicht froh, dass man überhaupt zurückkehrt.

Damals ahnte ich nicht, dass bald schon niemand mehr ein Visum brauchen würde, um gen Westen zu reisen. Am 9.11.89 stand ich abends in der Werkstatt und schweißte an einer Trägergruppe, Vater war im Haus mit Schreibarbeiten beschäftigt.

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In der Hermann-Lutz Straße

Da hörte ich aus dem Radio die Meldung vom Fall der Mauer. Ich ging rein zu Vater, wir schalteten den Fernseher an und bekamen Gewissheit.

Immer und immer wieder wurden auf sämtlichen Kanälen die berühmt gewordenen Worte von Günter Schabowski gesendet. Bald folgten auch die ersten Aufnahmen von den Grenzübergängen.

Schon am frühen Morgen des nächsten Tages holten wir uns den zunächst noch nötigen Ausreise-Stempel von der Polizei. Ich fuhr mit 10 Freunden und Bekannten am Samstag nach Hamburg. Dort sahen wir Bilder, die nie verloren gehen, erlebten Episoden, die unvergessen bleiben werden ...

Der Gesundheitszustand meines Vaters verschlechterte sich weiter. Er wünschte sich sehr, dass ich seinen Betrieb fortführen sollte. Wir führten so manches Gespräch darüber, wie die Zukunft der Werkstatt aussehen sollte. Mit dem Fall der Mauer eröffneten sich plötzlich ungeahnte Möglichkeiten.

Nun hieß es, neue Wege zu suchen, um sich am Markt etablieren und behaupten zu können. Die Neuorientierung war kein einfacher Prozess. Schon mit Beginn des Jahres 1990 suchte ich nach gangbaren Wegen, um den Fortbestand des Unternehmens zu sichern. Aber wer kannte sich damals schon mit den gesetzlichen Bestimmungen nach Bundesrecht aus?

Viele Fragen waren zu klären: Wer und wo waren die richtigen Ansprechpartner? Wer konnte Hilfestellung geben? Wer meinte es auch wirklich ehrlich? Eine ebenso interessante wie lehrreiche Zeit für mich begann. Nur eines war mir klar: wohin der Weg gehen sollte.

Schnell hatten sich zwischen Winsen/Luhe und Pritzwalk partnerschaftliche Beziehungen entwickelt. So lenkte auch ich, begleitet von meinem Vater, Anfang 1990 meine Schritte dorthin, um erste Kontakte zu knüpfen. Unser Hauptziel war, in Erfahrung zu bringen, wie die Führung eines Autohauses aussieht, welche Schritte bis dahin zu gehen sind, und ob wir Partner für diesen Weg finden.

Die Firma Wolperding war in diesem ganzen Prozess sehr wertvoll für mich und die Neuausrichtung des Betriebes. Diese Firma war Vertriebspartner für Audi/VW und half mir in jener Zeit wirklich sehr. Von dort erhielt ich die ersten Autos, qualifizierte Schulungen über die Fahrzeuge, auch die erforderliche Technik, VW/Audi – Fahnen und Schilder und vieles andere.

So wehten auf unserem Grundstück in der Hermann – Lutz – Straße 22 alsbald die Fahnen von VW/Audi und ich stellte zum Verkauf bestimmte Gebrauchtfahrzeuge der genannten Marken aus. Es sah auf dem Grundstück zu jener Zeit schon so aus, als wären wir bereits Vertragspartner von VW/Audi, aber bis dahin war es noch ein langer Weg.

Der Bedarf an Fahrzeugen war groß, hatte doch die lange Wartezeit auf einen PKW nun ihr Ende gefunden. Schnell war mir klar geworden, dass meine Frau bei der Gründung und Führung eines Autohauses unentbehrlich sein würde. Für mich stand fest, dass wir dieses Vorhaben nur gemeinsam durchziehen konnten.

So sprachen wir über die Möglichkeiten und Risiken einer gemeinsamen beruflichen Zukunft. Wir fanden recht schnell einen gemeinsamen Nenner. Daraufhin gab Angelika ihre bisherige Arbeit in der BHG-Bank auf und ich stellte sie bei mir ein, damit die Buchhaltung nicht mehr auf meinem Tisch lag. Aber nicht nur die Buchhaltung allein war ihre Aufgabe.

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In der Hermann-Lutz Straße

Angelika hatte an allen Ecken und Enden ihre Finger mit im Spiel. Da waren jeden Tag 1000 kleine aber wichtige Dinge zu erledigen, die einfach zum Geschäft dazugehören. Selbst größere Aufgaben schreckten sie nicht ab. So fuhr meine Frau schon damals jede Woche einmal nach Winsen/ Luhe, um Ersatzteile für Kunden zu holen.

Etwa zur gleichen Zeit holte ich mir den ersten Schlosser, Klaus Köpke von der „PGH Gute Fahrt“ in den Betrieb. Erfahrene Fachkräfte von der Firma Wolperding schulten ihn in Winsen/Luhe.

Liebe Leserinnen und Leser, Sie werden es gemerkt haben, die letzten Zeilen künden davon, dass ich jetzt selbst die betrieblichen Entscheidungen traf und die Verantwortung dafür trug. Dies hat seine Berechtigung, denn mitten hinein in die Zeit des Aufbruchs geschah, was sich lange anbahnte und dennoch nicht verhindern ließ:

Der Kreislauf des Lebens schloss sich für meinen Vater. Eine schwere Zeit lag hinter ihm und seiner ganzen Familie, als er am 18. Juni 1990 von uns ging. Er schloss seine Augen in der Gewissheit, dass ich alles daran setzen werde, das, was er einst aufgebaut hatte, fortzuführen. Und die Zeit im Land war reif für Veränderungen, ein halbes Jahr vorher war die innerdeutsche Grenze Geschichte geworden...

Mit dem ersten umgetauschten Geld kauften wir uns einen T3 und einen Golf II. Damit fuhr Angelika wöchentlich nach Winsen/Luhe, um von dort Autoteile zu holen. Hierzu muss ich sagen, dass sie gelernte Fleischverkäuferin war, und mit Autos vorher nie zu tun hatte.

Die Schlosser drückten ihr irgendwelche Teile in die Hand und sagten: genau so eins brauchen wir. So lernte sie binnen kurzer Zeit sehr viel Neues.

Es ist für manchen Fahrer schon eine Herausforderung überhaupt mit einem Transporter zu fahren. Noch dazu ohne Servolenkung und mit voller Last auf der Vorderachse, weil gleich hinter den Sitzen alles vollgepackt war. Diese Last drückte natürlich voll auf die vordere Achse, was das Lenken des Fahrzeugs obendrein erheblich erschwerte.

Und das, wo meine Frau vorher kaum Auto gefahren war. Einmal kam sie zurück und meinte der Transporter sei kaputt. Schweißnass schimpfte sie: „Der lässt sich gar nicht mehr lenken!“ Als er dann entladen war, haute auch die Lenkung wieder hin...

Das sind so Erinnerungen, die meine Frau und ich wohl nie vergessen werden. Ebenso,wie die Gedanken daran, dass es in der ersten Nachwendezeit äußerst problematisch war, in die BRD anzurufen. Die ganzen Gespräche liefen doch damals noch über’s Fernamt, und mussten Stunden vorher angemeldet werden.

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Ein neues Kapitel Firmengeschichte beginnt

Die junge Handy-Generation von heute kann sich unter dem Begriff „Fernamt“ gar nichts mehr vorstellen...

Und dass die ersten Handys, ohne die es schon bald nicht mehr ging, größer waren als ein Kofferradio, klingt aus heutiger Sicht fast nostalgisch.

Auch an dieser Stelle mussten wir erkennen, was es mit dem alten Sprichwort „Aller Anfang ist schwer“ auf sich hat. Es war schon eine verrückte Zeit. Nur gut, dass wir in der Firma Wolperding einen zuverlässigen Partner gefunden hatten.

Wir suchten natürlich auch den direkten Kontakt zum VW – Werk, um uns als Vertragspartner zu bewerben. bekamen jedoch zur Antwort, dass in Pritzwalk bereits ein anderer Autohändler vorgesehen ist. Ich überlegte, wer das wohl sein könnte.

Bei der Suche war mir der Zufall behilflich. Wie sich herausstellte, hatte sich dieser potenzielle Partner jedoch zwischenzeitlich für eine andere Automarke entschieden. So erhielt ich von diesem Kandidaten dessen Einladung zum ersten VW-Händlerkongress.

Ich fuhr hin, da wollte man mich erst gar nicht reinlassen, weil die Einladung nicht auf meinen Namen ausgestellt war. Meine Partner der Firma Wolperding sorgten letztlich dafür, dass ich doch an diesem Kongress teilnehmen konnte.

Eine Woche später kamen VW-Vertreter und sahen sich meine Werkstatt und das Drumherum an. Sie waren beeindruckt, dass wir uns rein äußerlich schon vollkommen auf VW eingestellt hatten. Aber sie hatten natürlich auch konkrete Vorstellungen, wie der Betrieb als VW-Vertragspartner auszusehen hatte.

Die Werkstatt war viel zu klein, mindestens zwei Arbeitsplätze sollten so schnell wie möglich geschaffen werden und dann, an einem neuen Standort ein modernes Autohaus. Dies war Grundvoraussetzung, um überhaupt den Fuß bei VW in der Tür zu behalten.

Natürlich verschloss ich mich dem Vorhaben nicht. Recht schnell wurde dann auch schon der Vertrag abgeschlossen. VW wollte ja keine Zeit verlieren und möglichst schnell auf den Markt in Pritzwalk. Ich bot mit meinem Betrieb zunächst einmal eine gute Voraussetzung dafür.

Der Forderung von VW nach höherer Werkstatt- und Verkaufskapazität leistete ich mit neuen Einstellungen Folge. Nach Klaus Köpke kamen Ingolf Kissmann, Dieter Seier und Günter Kautz zu mir in den Betrieb.

Damals in der Hermann-Lutz-Straße führten wir die Buchhaltung im ausgebauten Keller des Wohnhauses. Elke Hahn kam am 1.6.1992 zu uns, um meine Frau von dieser Arbeit zu entlasten. Unendlich viele Lehrgänge waren notwendig, um das Einmaleins der Führung eines Autohauses zu erlernen. Themen waren z.B. die Funktionsweise von Leasing und Finanzierung.

Oft fanden die Seminare in Plau am See statt, sie nahmen meiner Frau viel Zeit, aber es war notwendig.

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Wir taten beide das Bestmögliche, um aus der kleinen Werkstatt einen modernen VW/Audi Vertragspartner zu machen. Kernproblem war die räumliche Enge. Unsere ersten Verkaufsberater waren Uwe Jangnow und Günter Sasse, die in einem Wohnwagen ihre Verkaufsgespräche führten. Obwohl wir schon damals wussten, dass wir in absehbarer Zeit ein neues Autohaus eröffnen würden, waren wir gezwungen, noch in der Hermann-Lutz-Straße zu investieren, damit der Betrieb auf solider Basis fortgeführt werden konnte.

Ganz problemlos verlief die Entwicklung dennoch nicht. Da ich meinen Meisterabschluss als „Karosseriebauer“ abgelegt hatte, und nicht als Schlosser, stieß ich bei der Handwerkskammer zunächst auf einige Schwierigkeiten bei der Anmeldung des Gewerbes zur Verrichtung von Schlosserarbeiten an Fahrzeugen.

So erhielt ich von der Handwerkskammer zunächst einen ablehnenden Beischeid. Viele gesetzliche Regelungen, die in den Altbundesländern seit Jahrzehnten galten, fanden nun auch hier Anwendung. Doch in Pritzwalk schien es nicht möglich, dass ich als Karosseriebaumeister ein Gewerbe für Reparatur und Handel mit PKW bekomme.

Wieder war es die Firma Wolperding aus Winsen/Luhe, die mir hilfreich zur Seite stand. Durch deren Anwalt bekam ich den Hinweis, dass es eine Übergangsfrist gäbe, in der die Ausübung eines Gewerbes ohne Meisterabschluss möglich sei.

So glätteten sich die Wogen und ich konnte die Werkstatt in der Hermann – Lutz – Straße mit erweitertem Angebot fortführen. Am 21. Juni 1990 kam es zur Vertragsunterzeichnung über die Zusammenarbeit zwischen mir und der VW-AG Wolfsburg. Es war kein leichter Weg bis dorthin, aber der Vertragsabschluss war ein Meilenstein in der Firmengeschichte.

Nun waren natürlich allerlei Lehrgänge zu besuchen, die ich weitestgehend selbst absolvierte. So verbrachte ich in jener Zeit viele Tage auf der Schulbank in Wolfsburg. Bestandteil dieses Vertrages war, dass ein neuer Standort mit einem modernen Autohaus die wirtschaftliche Basis für den Vertrieb von VW/Audi in Pritzwalk bilden sollte.

Umfangreiche Vorbereitungen für den Neubau des Autohauses nahmen bereits 1991 ihren Lauf: Standortsuche, Finanzierung, usw.

Ich hatte von VW einen Bauberater zur Seite gestellt bekommen. Herr Marquardt suchte mit mir gemeinsam nach einem geeigneten Standort. Im Gewerbegebiet Süd hatte gerade die Tankstelle ihren Betrieb aufgenommen, auch die Verkehrsanbindung konnte sich sehen lassen, also sollte dort das Autohaus entstehen.

Ende Juno 1992 fing die Raupe an zu schieben, etwa 10.000 Quadratmeter waren als notwendige Grundstücksfläche veranschlagt worden. Ich dachte damals, das sei viel zu groß und dachte darüber nach, ob hier überhaupt Kunden herkommen würden. Aber der VW-Berater sagte: „Direkt an einer Bundesstraße, das muss gut gehen!“

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Aus heutiger Sicht kann ich sagen, der Standort ist genau richtig gewählt. VW veranschlagte ein Investitionsvolumen von ca. 3,5 Mio. Mark. Unser Finanzberater, Herr Reinexius sagte, immer mit der Ruh! Realistisch schätzte er ein, was tragbar ist, und so bauten wir wesentlich kleiner.

Der ganze Bau kostete dann letztlich 1,4 Mio. DM. Hätten wir so groß gebaut, wie von VW ursprünglich geplant, gäbe es die Firma Streese wohl längst nicht mehr. Herr Reinexius war offen und fair, eben ein alter Hase. Viele andere Unternehmer in den jungen Bundesländern hatten nicht solch Glück mit ihren Beratern...

Meine Hausbank warnte mich zunächst davor, zu knapp zu kalkulieren, wies darauf hin, dass es nachträgliche Kosten geben würde, die nicht kalkuliert waren. Aber unser Architekt, Herr Kostka hatte alles bis ins Detail geplant, sodass keine unliebsamen Überraschungen folgten.

Die Finanzierung lief über die damalige Volksbank, Filiale Pritzwalk. Der Vorstandsvorsitzende und gestandene Banker Friedrich-Franz Schulz war derjenige, der seine Unterschrift unter den Vertrag setzte, und damit bereit war, ein hohes Risiko für die Bank einzugehen.

Schließlich ging es um ein Investitionsvolumen von etwa 2Millionen Mark. Wer konnte damals schon vorhersehen, wie sich die Marktlage langfristig entwickeln würde? Aber wie eh und je half Friedrich-Franz Schulz auch diesmal einem zukunftsträchtigen Vorhaben in die Spur. Das ging nicht ohne Haken und Ösen, aber letztlich doch so, dass alle Beteiligten damit leben konnten.

Am 1. Juli 1992 erfolgte die Grundsteinlegung für das neue Autohaus am Standort Gewerbegebiet Süd. Manchmal gab es arge Terminprobleme, je näher es dem Ende rückte, umso hektischer wurde es. Alle standen unter Zeitdruck. Die Handwerker verschiedener Gewerke gaben sich die Klinke in die Hand, manchmal wartete der eine schon darauf, dass der andere seine Arbeit beendet.

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Letztlich aber ging alles gut, der Übergabetermin wurde gehalten. Und insgesamt gesehen bin ich mit der Bauausführung doch zufrieden, auch wenn es mich allerhand Nerven gekostet hat. Man sah mir die Spuren jenes halben Jahres Bauzeit auch deutlich an, ich hatte binnen dieser sechs Monate etwa 10 kg Gewicht verloren...

Von der Grundsteinlegung bis zur Übergabe des Autohauses verging genau ein halbes Jahr Bauzeit. Dank der überaus exakten Bauablauf-Planung durch den Architekten gelang es, trotz aller Probleme, den Eröffnungstermin zu wahren. Ich habe alle Aufträge, die durch Pritzwalker Betriebe realisierbar waren, hier vergeben.

Das Richtfest sah viele freudige Gesichter. Als die Richtkrone gen Himmel zeigte, fanden sich neben den beteiligten Baufirmen auch Vertreter aus Kommunalpolitik und Wirtschaft unter den Gästen. Nach dem Trubel der Eröffnung am zweiten Dezemberwochenende 1992 ging es dann Montags gleich in die Vollen...

In der alten Werkstatt waren weniger als 10 Arbeitskräfte tätig. Neben den bereits genannten Klaus Köpke, Dieter Seier, Elke Hahn, Günter Sasse und Ingolf Kissmann, kamen nun Detlef Pedde, Rainer Krüger, Günter Kautz und Norbert Reich hinzu. Mein Bruder Mike und dessen Frau kamen aus Wolfsburg zurück, am 1.1.93 begann Dirk Spitzner, andere folgten.

Wichtig war und ist diesem Team die Kundenbestandspflege. Wir haben überwiegend zufriedene Kunden, manch anderer hat für Dinge, die wir gar nicht zu vertreten haben, wenig Verständnis. Auch hier ist es wie im Leben, es gibt solche und solche.

Nicht selten erinnern uns einst mit ihren Autos liegen gebliebene Fahrer an so manche Episode. Immer wieder werden alte Erinnerungen hervorgekramt und erzählt.

Ein Bereich, der es nicht einfach hat, ist der Kundendienst. Wer da vorn am Schalter steht, der muss was abfangen. Manchmal wird’s da richtig laut – bis hin zu persönlichen Angriffen auf meine Mitarbeiter. Zum Glück kommt das nicht so häufig vor, aber das zehrt dann natürlich an den Nerven.

Die Zufriedenheitsanalyse kam zu einem Ergebnis von 98 %. Dahinter stecken viele Dankeschöns unserer Kunden. Manchmal geschehen natürlich auch Dinge, die es eigentlich nicht geben sollte.

So fuhr z.B. vor einigen Jahren einer unserer Lehrlinge mit ’nem Kundenauto in eine Mauer. Einem anderen passierte ein Missgeschick beim Federspannen.

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Die Feder machte sich selbstständig und landete vorn auf einem Kundenfahrzeug. Leider nicht, ohne Spuren zu hinterlassen. Wir tauschten die Haube gegen eine neue aus und beichteten dem Fahrzeugbesitzer alles.

Hätten wir es verschwiegen, der Kunde hätte es nicht bemerkt. Aber das ist nicht meine Art. Wenn mal etwas passiert, dann muss man auch offen mit den Kunden drüber reden. Das ist nicht einfach, aber besser als der eigenen Kundschaft mit einem schlechten Gewissen gegenüberzutreten.

Ich denke, auch dieser Gedanke meiner Geschäftsphilosophie gehört in den Rückblick auf unsere 50-jährige Firmengeschichte. Der Tag, an dem das Autohaus seine Türen öffnete, wird nicht nur mir, meiner Familie und meinen Mitarbeitern in Erinnerung bleiben.

Zahlreiche Überraschungen warteten auf die Gäste, als Hauptpreis wartete in der Tombola ein VW-Golf auf seinen neuen Besitzer. Zahlreiche Gäste aus Nah und Fern waren erschienen, um zu schauen, was die 450-m2-Ausstellungsfläche und die 1100-m2-Werkstatt zu bieten haben. Auf diese Weise begegneten wir vielen Stammkunden und auch interessierten Fahrern anderer Fahrzeuge, von denen uns ein guter Teil auch später die Treue gehalten hat.

Ein wichtiges Kapitel der jüngeren Geschichte ist die Lehrlingsausbildung. Darauf lege ich großen Wert. Im Jahr 2006 erhielt mein Betrieb den Titel „Vorbildlicher Ausbildungsbetrieb“. Auszubildende, wie es heute so schön heißt, gab es schon in der alten Werkstatt, Mario Boek z.B., der auch in das Autohaus übernommen wurde,

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Michael Köhler war der erste Lehrling der hier in der neuen Firma seine Ausbildung absolvierte. Er ist noch heute bei mir tätig.

In den ersten Jahren bildeten wir im Autohaus manchmal zwei oder sogar drei Lehrlinge in einem Lehrjahr aus. Berufsziele fanden sich sowohl im kaufmännischen Bereich als auch direkt in der Werkstatt.

Es waren inzwischen über 20 junge Menschen, denen wir eine Lehrstelle bieten konnten. Uns war und ist auch heute noch wichtig, jedes Jahr jungen Leuten eine Ausbildung zu ermöglichen. Zurzeit sind es Jens Ziebol, Tobias Abend und Sven Streese. Auch wenn wir nicht immer alle Azubis übernehmen konnten, so haben Start ins Berufsleben verschaffen können.

Soweit ich weiß, sind auch alle, denen wir nach der Ausbildung keinen Arbeitsplatz anbieten konnten, in der Branche geblieben. Das bedeutet, dass sie bei uns eine gute Ausbildung genossen haben.

Bei der Auswahl der Azubis schaute ich nie primär allein auf die Zensuren der Schule. Während der Praktika sah ich, ob in dem Kandidaten ein Schlosser oder Karosseriebauer steckt. Die Praxis, das Blut in den Adern ist wichtig.

Man kann sehen, wie einer sich anstellt. Diejenigen, für die ich mich entschieden habe, haben dann auch alle ihre Prüfungen bestanden.

Da fällt mir grad eine Geschichte ein: Einer unserer Lehrlinge rauchte hin und wieder heimlich auf der Toilette. Als er mehreren Hinweisen auf das Rauchverbot nicht Folge leistete, haben wir ihn dort mit einem Eimer kalten Wasser runtergeholt...

Er rauchte an dieser Stelle nie wieder...

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In der Werkstatt herrscht ansonsten wirklich ein sehr gutes Arbeitsklima. Und ich lasse mein Team am jeweiligen Erfolg eines Geschäftsjahres teilhaben.

Wenn es dem Unternehmen gut geht, sollen auch diejenigen, die dafür Sorge trugen, davon profitieren. Der Lohn, bzw. Sonderzuwendungen sind immer auch eine gute Motivation für alle Mitarbeiter. Gute Leute sind nur mit einem entsprechenden Lohn zu halten. Ich habe in meinem Haus sehr wenig Fluktuation, was sehr zur Kontinuität beiträgt.

Tradition sind in meiner Firma auch die Betriebsfahrten mit der Belegschaft. Einmal z.B. waren wir an der Nordsee, da geschah Folgendes: Es hieß, wir sollten alle hinter dem Wattführer in dessen Spuren gehen. Einer unserer Kollegen hielt sich nicht daran, rutschte aus und plötzlich war er bis zum Hals weg.

Seine Brille haben wir nie wieder gefunden. Bekleidet mit Leggins aus der weiblichen Belegschaft setzte er diesen schönen Ausflug fort...

Wir sind im Harz gewesen, in Lübeck auf dem Weihnachtsmarkt – unvergessen, wie sich die Lehrlinge bei Douglas alle geschminkt haben. Einer der Kollegen brach sich beim Tanzen ein Bein.

Das allein war schon schlimm genug. Noch bösere Folge war allerdings das Ausfüllen der Formulare zur Unfallanzeige bei der Berufsgenossenschaft...

Oder auch jene Tour in den Spreewald: Wir sind dort mit einem Bus hingefahren, machten Nachts eine Kahnfahrt, und waren dann das ganze Wochenende mit dem Rad unterwegs.

Die Radtouren zehrten an den Kräften, da musste ich in die Trickkiste greifen und eine Flasche für denjenigen ausschreiben, der zuerst am Ziel ist...

Sie sehen, liebe Leserinnen und Leser, ich achte sehr auf ein familiäres Betriebsklima. Alle Mitarbeiter sind „per Du“ miteinander. Manch einer meiner Berufskollegen aus den alten Bundesländern kann diesen Prozess gar nicht nachempfinden.

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Nun sind seit der Eröffnung schon beinahe 15 Jahre vergangen. Vieles hat sich verändert, ist weiterentwickelt und vervollkommnet.

So widmete ich der immer weiteren technischen Ausstattung der Werkstatt großes Augenmerk. Eine neue Hebebühne, die im vergangenen Jahr angeschafft wurde, brachte gleich die Möglichkeit einer Neueinstellung für den Werkstattbereich mit sich.

Ich war neuen technischen Möglichkeiten immer aufgeschlossen. So hat auch manches neue Werkzeug Einzug gehalten. Auch die Kollegen schicke ich jährlich für mindestens drei Tage zu einer Weiterbildung, hinzu kommen die innerbetrieblichen Schulungen.

Hier müssen sie auch Prüfungen ablegen und so manche Auszeichnung meiner Mitarbeiter sprichteine deutliche Sprache. In neues Wissen zu investieren, bedeutet für mich einen wesentlichen Beitrag zur Kundenzufriedenheit zu leisten.

Auch zum Umweltschutz will ich beitragen und setze alles daran, nicht nur die gesetzlichen Pflichtaufgaben auf diesem Gebiet zu erfüllen sondern stelle mich auch darüber hinausgehenden Herausforderungen.

Mit Stolz kann ich deshalb auch auf verschiedene Ehrungen hinweisen, wie z. B. das Umweltsiegel und ISO-Zertifikat die dem Autohaus zuteil wurden.

Neben dem Verkauf und der Reparatur von Neu- und Gebrauchtfahrzeugen habe ich von Beginn an auch über den Tellerrand des eigenen Unternehmens geschaut. Traditionspflege und Kulturförderung gehören zu meiner Firmenphilosophie.

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Zu einem besonders beliebten Stelldichein vieler Freunde älterer Fahrzeuge hat sich unser jährliches Oldtimertreffen entwickelt.2007 fand es zum vierzehnten Mal statt.

Schon im ersten Jahr konnten wir an einem Wochenende etwa 3000 Besucher begrüßen, es wurden danach jährlich mehr.

Fahrzeuge aus Nah und Fern wurden präsentiert, und ebenso, wie die Fahrzeuge kamen auch die Gäste aus allen Himmelsrichtungen. Zu einer beliebten Plattform des Ersatzteilhandels- oder Tausches hat sich der Teilemarkt entwickelt, auf dem Tüftler immer wieder die eine oder andere Rarität anbieten, selbst erwerben oder tauschen können.

Sehr beliebt sind seit 10 Jahren unsere Kabarettabende. Für viele Kulturfreunde ist der Auftritt des Potsdamer „Obelisk“ ein fester Termin. An die 300 Gäste sind es an einem solchen Abend, die wir in unserem Autohaus begrüßen können. Die Erlöse kommen immer sozialen Einrichtungen zugute, so konnten wir schon so mancher Institution meiner Heimatstadt Pritzwalk helfen.

Der normale Geschäftsbetrieb läuft in geebneten Bahnen. Zwischen meiner Frau und mir sind die Verantwortlichkeiten klar geregelt, die Aufgabenbereiche strikt getrennt. Mein Herz schlägt im Verkaufsbereich, Angelikas im Service. Durch die Gliederung der Verantwortlichkeiten ergänzen wir einander sehr sinnvoll.

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Unser Sohn Marc sagte als Erstes nicht Mama oder Papa sondern Auto. Unsere Tochter Laura machte die Familie am 5.12.1994 komplett. Sie ist im Autohaus groß geworden, im Laufgitter in meinem Büro. Frau Hahn gab ihr die Pulle, und wickelte die Laura. In ihrem Bettchen waren ständig Ölflecke auf der Bettwäsche, die stammten von den Schlossern, die gern etwas mit ihr spielten...

Wir hoffen, unseren beiden Kindern ebenso gute Eltern zu sein, wie wir es selbst in unseren Elternhäusern erlebt haben. Natürlich spielte ich mit Blick auf unseren Sohn mit dem Gedanken, einen Nachfolger fürs Geschäft zu haben. Schon in jungen Jahren entdeckte er dann auch seine Liebe zu den Autos.

Marc war gewissermaßen erblich vorbelastet und so ist es kein Wunder, dass er seine Berufsausbildung im Kfz-Gewerbe absolvierte und erfolgreich abschloss. Gegenwärtig ist er dabei, das Studium zum Betriebswirt zu absolvieren. Damit, so denke ich, ist auch ein Stück Zukunft des Autohauses geebnet.

Das berufsbegleitende Studium wird ihm helfen, nicht nur die Mechanik von Autos zu verstehen sondern auch das Führen eines eigenen Unternehmens ermöglichen.

Den praktischen Teil der Ausbildung macht er in Berlin, bei einem ehemaligen Studienkollegen von mir. So, wie auch ich meine Ausbildung bei einem Studienkollegen meines Vaters erhalten habe. Manchmal gibt es Parallelen im Leben, die vorgezeichnet scheinen. Vielleicht wird auch er einmal eine Chronik schreiben lassen, die davon erzählt, wie sein Vater begann, einen Betrieb aufzubauen...

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